1850 - 1899


1855

Am 1.1.1855 übernimmt Anton Johann Fleck das Pfarramt in Schönberg.

 

Im gleichen Jahr noch erhält die Kirche eine gebrauchte Orgel. Sie stammt aus dem Frankfurter Dom.

 

Am 15. Juli des morgens werden die Kölbinger um 4 Uhr durch ein schweres Hagelunwetter geweckt. Alle Früchte werden total zerschlagen. Die Hagelkörner liegen an manchen Orten noch zwei Tage. Das Unwetter hatte auch in den Nachbarorten gewütet. Für drei Gemeinden wird eine Kollekte bewilligt.

1859

Im Jahre 1859 bricht im Westerwald wieder eine Ruhr-Epidemie aus. In Kölbingen leben derzeit 372 Einwohner. Wie das medizinische Jahrbuch des Herzogtum Nassau berichtet, sind schon 9 Menschen in Kölbingen an der Krankheit verstorben. Trotz intensiver medizinischer Hilfe sterben noch weitere 5 Erkrankte.

 

Im gleichen Jahr vollzieht sich in der Schule in Kölbingen ein Lehrerwechsel. Auf Lehrer Prybil folgt Lehrer Jakob Gläßer.

1860

Kölbingen hat ausweislich des Staats- u. Adressbuches von Nassau 388 Einwohner. Bürgermeister ist Johann Hebgen.

1863

Im Staats- und Adressbuch von Nassau für das Jahr 1863 ist ein neuer Bürgermeister verzeichnet, nämlich J. Zimmermann. In Kölbingen leben 107 Familien. Die Einwohnerzahl beträgt 397.

1864

Der Hof Moritz nimmt mit seinem in der Gemarkung Sainscheid gelegenen Teil an der dort von 1864 bis 1868 durchgeführten Flurbereinigung teil.

 

Den entsprechenden Kostenanteil bezahlten 1871 die miteinander verwandten Familien Wörsdörfer/Sauer, Sainscheid, zu 94% und die Familie Flügel vom Hof Witzelbach zu 6%. Die Höfe Moritz oder Otterbach teilten 1951 das Schicksal des Hofes Schönberg. Ihre noch nicht aufgeforsteten Flächen wurden den beiden Aussiedlerhöfen zugemessen.

 

1864 bemängelt der neue Lehrer Heinrich Metternich, dass das Schullokal für die 83 Kinder viel zu klein und daher ungesund sei. Er fordert eine Vergrößerung der Schule bzw. ein Neubau mit Lehrerwohnung.

 

In diesem Jahr überträgt die Landesregierung den Organisten-Dienst auf die Schule in Kölbingen. Dadurch spart die Gemeinde im Jahr 30 Gulden. Bisher wurde auch der Küster- und Glöckner-Dienst vom Schullehrer ausgeübt. Dieser Dienst wird abgetrennt und Mathias Feldes, dem Sohn des verstorbenen Försters von Schönberg übertragen.

1865

Auch 1865 kommt keine Vergrößerung des Schullokal zustande. Da die Kinder nicht genügend Platz haben, wird Abteilungsunterricht genehmigt.

 

1866

Im Frühjahr 1866 beginnen die Bauarbeiten zur Vergrößerung der Schule. Damit der Unterricht keine Störung  erleidet, pachtet der Gemeindevorstand die Kammer des Bürgermeisters Zimmermann an. Wegen der Mehrbelastung erhält der Lehrer 40 Gulden mehr aus der Gemeindekasse.

 

In den benachbarten Ortschaften sind die Blattern ausgebrochen und auch Kölbingen wird nicht verschont. In der Pfarrei sterben 1866 viele Menschen.

 

Im Jahr 1866 wird die  politische Landkarte in Deutschland neu geordnet. Nach dem Sieg Preußens im Deutschen Krieg werden einige seiner Kriegsgegner annektiert, andere werden zu Bündnissen gezwungen. Der seit 1815 bestehende Deutsche Bund löst sich auf und statt dessen der Norddeutsche Bund unter preußischer Führung gegründet.

Im Deutschen Krieg 1866 steht das Herzogtum Nassau auf Seiten Österreichs und Bayern. Wenn auch Nassau am 12. Juli 1866 vor den Toren Nastätten in der "Schlacht bei Zorn" gegen die Preußen gewinnt, so geht doch letztendlich der "Große Bruderkrieg" verloren und Nassau wird von Preußen annektiert.

Am 21. Juli  wird der königlich preußische Landrat von Diest vom Oberbefehlshaber der preußischen Mainarmee,, Generalleutnant Freiherr von Manteuffel"  zum Civil-Kommissar für das Herzogtum Nassau ernannt. Mit dem 20. September ist Nassau mit der preußischen Monarchie vereint.

1868

1868 wird Nassau mit der Freien Stadt Frankfurt und dem Kurfürstentum Hessen zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst und die Verwaltung der preußischen angeglichen.

Es werden Landkreise mit Landräte geschaffen. Die Ämter bleiben als untere Verwaltungsbezirke bestehen. Die Rechtspflege wird von der Verwaltung getrennt und für jedes Amt ein Amtsgericht geschaffen.

1871

Das 25jährige Jubiläum des Papstes Pius IX wird gebührend gefeiert. Am Vorabend des 17. Juni wird 1 Stunde lang mit allen Glocken geläutet und mit Böllern geschossen. Auf dem Nickelstein entzündet man ein Freudenfeuer. Am Morgen des Festtages erfolgt wieder ein einstündiges Glockengeläut mit Böllerschüssen. Um 9:00 Uhr ist ein feierliches Hochamt.

 

Im Vorgarten der alten Pfarrschule, heute "Küsterhaus" genannt, wird am 9. November 1871 zur Erinnerung an den 25. Jubiläumstag des Papstes Pius eine Eiche gepflanzt. Die Eiche wurde mittlerweile gefällt.

 

Im Juni 1871 hat sich ein Schüler aus dem elterlichen Haus in Kölbingen abgesetzt. Lange Zeit bleibt die Suche erfolglos. Der Polizei gelingt es, den Jungen im Januar 1872 im Raume Herborn ausfindig zu machen und er wird der Familie nach Kölbingen zurück gebracht. Die Gründe des Verschwindens sind nicht bekannt.

1872

Einführung des Turnunterrichtes an den Schulen. Wöchentlich müssen zwei Stunden erteilt werden. Jede Gemeinde hat für die Beschaffung eines geeigneten Turnplatzes und der benötigten Geräte zu sorgen. Die Gemeinde bewilligt dem Lehrer für die zusätzlichen Turnstunden eine jährliche Vergütung von 10 Talern.

 

Aus unbekannter Ursache bricht im August in einem Haus in der Nähe der Schule ein Feuer aus. Es greift so schnell um sich, dass schon bald das Haus und ein angrenzendes Gebäude ein Raub der Flammen werden.

1873

Adam Johann Sturm leitet die Pfarrei vom 01.05.1873 bis zu seinem Tode am 16. September 1889.

Immer wieder beklagen die Lehrer die schlechte Besoldung, so auch Lehrer Feith 1873. Er rechnet der Gemeinde vor, dass die Tagelöhner einen Stundenlohn von 12 - 15 Silbergroschen hätten und ein Zimmermann sogar 20 - 25 Silbergroschen die Stunde verdienen würde. Als Lehrer und studierte Person bekäme man hingegen umgerechnet 16 1/2 Silbergroschen.

 Der Monat Juli ist überaus reich an Gewitter. Ein besonderes heftiges Gewitter entstand in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli. Anhaltende Blitze machten die Nacht fast zum Tage und furchtbare Donner erschrecken die besorgten Gemüter. Als das Unwetter seinen Höhepunkt erreicht, trifft ein Blitzstrahl den Turm der Pfarrkirche zu Schönberg. Aus der westlichen Seite das Turmdachs fallen die Schiefersteine herunter, im Innern der Kirche zersplittert einen Balken und an verschiedenen Stellen der Wand löst sich der Kalk von den Steinen.

 

1874

Im Amtsblatt von 1874 der Königlichen Regierung zu Wiesbaden (Kölbingen zählt ab 1866 zur Preussischen Provinz Hessen-Nassau) wird Kölbingen als Hauptort des Standesamtsbezirkes genannt. Das Standesamt Kölbingen ist zuständig für die Gemeinden Kölbingen mit Möllingen und Schönberg, Brandscheid, Sainscheid, Caden mit Elben, Härtlingen, Rothenbach mit Himburg und Peifensterz. Die Ortschaften zählen zusammen 1514 Einwohner. Standesbeamter ist zu jeder Zeit der Bürgermeister von Kölbingen, J. Zimmermann. Sein Stellvertreter ist Peter Kloft.

1875

Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert tobte in unserer Heimat der Krieg zwischen Österreichern und Franzosen, durch den unsere ohnehin ausgehungerten Vorfahren arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Unter diesen widrigen Umständen war es nicht verwunderlich, dass sich junge Männer aus unseren Dörfern die Waffen gefallener oder verwunderter Soldaten und sich zu Wilderer - und Räuberbanden zusammenschlossen. Während man sich ursprünglich auf Wilderei und kleiner Diebstähle beschränkt hatte, wurden nach 1850 zu Straßenraub und anderen Straftaten übergegangen. Bauern, welche auf den Märkten im Raume Koblenz - Montabaur - Limburg Vieh verkauft hatten, wurden auf dem Heimweg überfallen und ausgeraubt.

Am 21. 6. 1875 erstach ein Bandenmitglied aus Sainscheid den Johann Kissel aus Kölbingen. Der Täter konnte nicht überführt werden, weil seine Komplizen ihm mit einem Alibi aushalfen. Viele Jahre Später wurde der Messerstecher - so die Überlieferung - unverhofft gefragt:

„Wott mich e da, wie de ihn gestoche has?"

Die Antwort lautete:

„ E schlaaft sich haam!“

Auszug aus dem Kirchenbuch von Schönberg-Möllingen

Im obersten Absatz ist der Tod des Johann Kissel beurkundet.

Lehrer Matthias Eulberg kommt an die Schule nach Kölbingen. Das Minimalgehalt eines Lehrers ist auf 600 Mark festgesetzt. In Kölbingen bekommt der Lehrer weniger, da ihm die Organisten-Besoldung abgezogen wird. Aufgrund eines Antrages bezieht der Lehrer ab dem 1. Januar 1880 eine Staatshilfe von 90 Mark.

Lehrer Eulberg - zweiter von rechts in der hinteren Reihe

1876

Am 12 März zieht ein Unwetter über Kölbingen und richtet an Gebäuden, Wald und Flur großen Schaden an. Das vordere Dach der Kirche zu Schönberg, welches im vergangenen Jahr neu hergestellt worden war, wird durch den Orkan teilweise mit Sparren abgedeckt.

1880

Im Jahre 1880 erwerben die Eheleute Mathias Feldes und Helena Feldes geborene Baldus von dem Jakob Munsch aus Möllingen das ehemalige Gaststättengebäude in Schönberg. Der Kaufvertrag wird am 22. November 1880 vor dem Bürgermeister Zimmermann aus Kölbingen und den Feldgerichtsschöffen Hehl, Schäfer und Wörsdörfer geschlossen. Das königliche Amtsgericht zu Wallmerod beurkundet den Vertrag am 15. Januar 1881.

 

 

 

 

 

 

Mathias Feldes

1881

Graf Walderdorf verkauft 1881 die an der Kirche zu Schönberg angrenzende Scheune an die Kirchengemeinde.

1883

In der Scheune des Johann Wörsdörfer VI bricht am 7. Mai 1883 abends ein Feuer aus. Da die meisten Einwohner von Kölbingen gerade vom Feld heimkommen, ist schnelle Hilfe zur Stelle. Nur die Scheune wird ein Raub der Flammen.

1885

Die Kreisreform von 1885 verkleinert die bestehenden Kreise, weil man diese überschaubarer machen und die Wege zum Landratsamt verkürzen will. Das Amt Rennerod wird aus dem Oberwesterwaldkreis und das Amt Wallmerod aus dem Unterwesterwaldkreis ausgegliedert und beide Ämter bildeten fortan mit Westerburg den neuen Kreis. Bis 1932 bleibt diese Ordnung bestehen.

 

Seit dem 3. Juli 1885 (Freitag vor Kirmes) wird der Gastwirt Sebastian Schick aus Kölbingen vermisst. Nach einer längeren Suchaktion findet man seine Leiche unweit des westerburger Tannenwaldes im Geisenwald. Eine an Kirmesmontag vorgenommene Obduktion ergibt, dass der Gastwirt an einem "Lungenschlag" (Lungeninfarkt) verstorben ist.

1886

Die Pfarrkirche erhält 1886 eine grundlegende Renovierung. Die barocken Altäre werden durch neugotische Altäre ersetzt. An den Wänden werden verschiedene Gemälde angebracht.

Zum 1.. April 1886 wird Freiherr von der Goltz erster Landrat des Kreises. Seine Dienstwohnung ist im Burgmannen-Haus in Westerburg.

1888

Auf Antrag des Pfarrers Sturm in Möllingen wird mit Genehmigung des Gemeindevorstandes eine Glocke für die Schule angeschafft. In der Glockengießerei Claren in Siglar wird sie gegossen. Die Finanzierung erfolgte aus der Gemeindekasse und von freiwilligen Spenden. Auf das Schulhaus war für die Glocke eigens ein Türmchen aufgebaut worden.

 

 

Als  Friedrich III. den deutschen Kaiser-Thron bestieg, war er bereits seit einem Jahr an Kehlkopfkrebs erkrankt.  Am 15. Juni starb er an seinem Leiden. Nur 99 Tage hatte der beliebte Kaiser regiert.  Es folgt ihm in der Regierung sein Sohn Wilhelm als Kaiser und König Wilhelm II im Alter von 29 Jahren.

 

In allen Schulen der Monarchie, so auch in der Schule in Kölbingen, hält man am 30. Juni eine Trauerfeier zum Gedächtnis Kaiser Friedrichs III. ab.

 

1889

Im Jahre 1889 übernimmt Johann Friedrich Buus die Pfarrei Schönberg - Möllingen und wird im gleichen Jahr Kreisschulinspektor.

 

Zu der Einführung des neuen Pfarrers schreibt Lehrer Eulberg in der Schulchronik von Kölbingen.

 

" Zum Nachfolger des Herrn Sturm wurde Kaplan Buus zu Oberursel von unserem hochwürdigsten Herrn Bischof ernannt. Derselbe hielt am 3. Oktober seinen Einzug in unsere Pfarrei. Zahlreich waren die Pfarrangehörigen zusammengeströmt, um den neuen Herrn Pfarrer am Bahnhof Westerburg zu empfangen. Mit dem um 3 Uhr 41 Minuten eintreffenden Zug, dessen herannahen durch Böllerschüssen weithin verkündet wurde, wurde derselbe von dem Kirchenvorstand kurz begrüßt und in den Wartesaal geleitet. Nachdem er hier die entsprechende kirchliche Kleidung angelegt hatte, trat der hochwürdige Herr Pfarrer auf die hintere Treppe des Bahnhofs, in deren Nähe seine Pfarrkinder Aufstellung genommen hatten. Der Kirchenchor sang alsdann unter der trefflichen Leitung des Lehrers Schneider von Rothenbach einen Willkommensgruß recht hübsch, worauf meine Wenigkeit in kurzen Worten im Namen der Pfarrgemeinde den neuen Herrn Pfarrer herzlich willkommen hieß und demselben Glück und Segen zu seinem neuen Amte wünschte. Sichtlich bewegt dankte Herr Pfarrer Buus in einigen kurzen Worten für die ihm entgegengebrachten Wünsche, worauf sich die Prozession unter Gesang und Musik nach der Kirche bewegte. Hierselbst angekommen, intonierte er das ergreifende Lied: „Veni creator Spiritus“ in welches die Gläubigen kräftig einstimmten.

 Hierauf hielt derselbe eine längere Ansprache zu seinen Pfarrkindern, in welcher er für den festlichen Empfang in gerührten Worten noch einmal seinen Dank aussprach und seine Pfarrkinder aufforderte, ihn in seinem schweren und verantwortungsvollen Amte, dem er seine ganze Kraft widmen wolle, zu unterstützen. Ein feierliches Te Deum und der sakramentale Segen bildeten den Abschluss der kirchlichen Feier. Nach derselben wurde der neue Seelsorger unter großer Beteiligung zu seiner Wohnung geleitet wo er von Jungfrauen unseres Kirchspiels durch verschiedene Glückwunschgedichte begrüßt und ihm einige Geschenke überreicht wurden. Nachdem der Kirchenchor noch einige Lieder vorgetragen hatte, brachte schließlich einer der anwesenden Lehrer auf den neuen Herrn Pfarrer ein Hoch aus, in welches alle Anwesenden begeistert einstimmten. Damit hatte die wirklich schöne Empfangsfeier ihr Ende erreicht. Dass es nun unserem neuen Herrn Pfarrer Buus vergönnt sein möge, recht viele Jahre zur Ehre Gottes und zum Heile seiner Pfarrkinder in unserer Mitte wirken zu können - das gebe Gott."

 

 

 Während seiner Westerwälder Jahre setzte Pfarrer Buus Meilensteine: Neben der Errichtung des St. Josephsheims in Möllingen veranlasste er den Wiederaufbau der Liebfrauenkirche in Westerburg sowie den Bau der Kapelle in Rothenbach. 1901 wurde Pfarrer Buus nach Hofheim im Taunus versetzt, wo er später Dekan des Landkapitels Höchst wurde. Aufgrund seiner Verdienste erhielt er im Jahre 1921 den päpstliche Titel Monsignore verliehen. Kurz vor seinem Tod am 7. Mai 1925 wurden ihm die Ehrenbürgerrechte der Stadt Hofheim verliehen.

 

1890

 Lehrer Eulberg berichtet in der Schulchronik:

 

"Anfang Dezember berichten die Zeitungen, dass in Petersburg und einigen anderen Städten Russlands die Influenza ausgebrochen sei. Kein Mensch ahnte aber damals, dass diese epidemische Krankheit sich über ganz Europa verbreiten und schließlich auch in Kölbingen ihren Einzug halten würde. Im Januar erkranken die meisten Einwohner. Auch die Schulkinder bleiben von der Krankheit nicht verschont. Der Schuluntericht muß mehrere Tage ausgesetzt werden. Auch ein Todesfall ist zu beklagen. Am 21. Januar wird auf dem Friedhof zu Schönberg der 89 jährige Feldschöffe und Schulvorsteher Johann Wörsdörfer IV. zu Grabe getragen. Er war während seines ganzen Lebens noch nie krank gewesen, bis er am 10 Januar an der Influenza erkrankte, die seinen Tod herbeiführte."

 

 

1891

Im Februar und März 1891 wird die Schule in Kölbingen wegen Scharlach und Diphtherie auf Veranlassung des königlichen Landrates zu Westerburg geschlossen. Viele Kinder sind erkrankt. Sieben Kinder aus Kölbingen, darunter die Schulpflichtigen Sebastian Reifenberg, Paulus Bender und Gertrude Bender sterben.

 

 

1894

Berta Feldes, letzte Betreiberin der Gaststätte Feldes in Schönberg, erhält am

21. März 1894 ihr Schulentlassungszeugnis. Unterzeichnende sind Mathias Eulberg als Lehrer und Pfarrer Buus als Ortsschulinspektor und Kreisschulinspektor.

1895

Als Pfarrer Johann Friedrich Buus die Pfarrei Schönberg-Möllingen übernahm, war die Versorgung der Kranken und Pflegebedürftigen wie in vielen ländlichen Gebieten Deutschlands unzureichend. Pfarrer Buus brachte Mut und Willensstärke mit, um diese Situation zu ändern. Er fasste den Entschluss, ein Kranken- und Versorgungshaus - das St. Josephsheim - zu errichten. Seit 1895 bemüht er sich, dieses Vorhaben umzusetzen. Für die Finanzierung warb er um Spenden in ganz Deutschland.

1896

Die Grundsteinlegung zum St. Josephsheim ist am 10. April 1896. Das Kreisblatt für den Westerwaldkreis berichtete am Freitag, den 17. April 1896 darüber:

„Am Freitag, 10 April wurde im nahegelegenen Möllingen der Grundstein zu dem St. Josephsheim, einer Kranken- und Versorgungsanstalt, gelegt. Herr Pfarrer Buus , der schon lange Jahre diesem edlen Zweck dient, wird sich mit diesem seinem Werke ein Denkmal auf dem Westerwald für ewige Zeiten setzen.“

 

Auch die Berichterstatter der Coblenzer Zeitung schenkten in ihrer Ausgabe vom Mittwoch den 22. April 1896 dem Bau St. Josephsheim Beachtung: „Dieser Tage führte mich mein Weg an der Baustelle des St. Josephsheims vorbei, und mit Freuden begrüßte ich es, dass schon das Fundament gegraben war.“

 

Einwohner aus der gesamten Pfarrei Schönberg-Möllingen sowie aus den meisten Dörfern der Pfarrei Salz halfen bei den Bauarbeiten mit. Die Schulchronik von Kaden berichtet:

„Sie fuhren bereitwillig und unentgeltlich Steine, Sand, Kalk und Backseine zur Baustelle.“

 

Mündlichen Überlieferungen nach wurden die „Backsteine“ im Bereich des heutigen Kölbinger Sportplatzes gebrannt. Die Basaltsockelsteine stammten aus dem Brandscheider Wald, oberhalb des heutigen St. Florianheims. Waren die Bauarbeiten im Sommer 1896 gut vorangeschritten, so mussten sie im Herbst desselben Jahres eingestellt werden, weil die aus freiwilligen Gaben bestehenden Mittel völlig erschöpft waren. Es wurde deshalb erneut dazu aufgerufen, für das St. Josephsheim zu spenden - nicht nur im Westerwald, sondern, wie ein Artikel in der Cölnischen Zeitung belegt, auch weit über die Region hinaus. Die Spendenaufrufe müssen erfolgreich gewesen sein, denn Pfarrer Buus knüpfte Kontakte zu den „Schwestern von der göttlichen Vorsehung“ in Mainz. Auch erwähnte er den Einzugstermin für Mitte des Jahres 1897.

1897

Da es im Frühjahr 1897 noch an Mitteln für die innere Ausstattung des St. Josephsheims fehlt, lässt Pfarrer Buus auch hier keine Möglichkeit aus, um sein Werk zu vollenden. Auf dem Dienstweg richtet er an das „Centralcomite` des Preußischen Vereins im Felde verwundeter und erkrankter Soldaten in Cassel“ einen Antrag auf Zuschuss für die Innenausstattung. Es folgen weitere Schriftwechsel, auch mit Landrat Duderstadt und dem Regierungspräsidenten und dem vorgenannten Comitè.

 

Am 3. August 1897 ziehen die ersten Schwestern in das St. Josephsheim ein. Der Tag ist von großer Bedeutung für die Bevölkerung des „Trier`schen Landes“ und darüber hinaus. Auch die Presse schenkt dem Ereignis besondere Aufmerksamkeit:

 

(Kreisblatt für den Kreis Westerburg Nr.: 64, Dienstag, 10. August 1897, 13 Jg.)

 

„Die durch Herrn Pfarrer Buus zur Leitung des Krankenhauses berufenen, dem Orden der göttl. Vorsehung zu Mainz angehörenden ehrw. Schwestern wurden des Nachmittags um 1/2 2 Uhr im bekränzten Wagen vom Bahnhofe zu Westerburg abgeholt. Am Portale des Krankenhauses wurden dieselbst von dem hochw. Herrn Pfarrer und einer großen Volksmenge empfangen. Herr Pfarrer Buus begrüßte dieselben in herzlichster Weise, indem er voll Rührung diesen Tag, an dem es ihm vergönnt sei, die Schwestern in ihr nunmehriges Heim einzuführen, als den schönsten seines Lebens bezeichnete. Als er geendet hatte ertönte von jugendlichen Lippen ein hübsches Begrüßungslied, eingeübt von Herrn Lehrer Schneeweiß aus Rothenbach. Hierauf brachten Kinder und Jungfrauen der Pfarrei in sinnig poetischer Weise den ehrwürdigen Schwestern Willkommensgrüße dar und überreichten zum Zeichen der Verehrung Geschenke. Die ehrwürdige Mutter Generaloberin des Ordens, welche mitgekommen war, dankte gerührt von diesen Beweisen der Liebe. Am Abend fand die Feier ihre Fortsetzung mit einem Fackelzug. Die vereinigten Gesangvereine von Schönberg, Möllingen, Caden, Kölbingen und Härtlingen sangen unter Leitung ihres Dirigenten, Herrn Lehrer Schneeweiß von Rothenbach einige entsprechende Lieder deren Vortrag wirklich mustergültig genannt werden konnte. Herr Lehrer Reusch von Sainscheid betonte nun in seiner Ansprache, wie sehr sich die ganzen Gemeinden dem hochwürdigen Herrn Pfarrer Buus als dem Schöpfer des Krankenhauses zu Dank verpflichtet fühlten, denn seine ganze Kraft habe er stets mit Aufopferung seiner Gesundheit für dieses edle Werk eingesetzt. Nur ihm nächst Gott sei es daher zu danken, wenn jetzt anders für das Wohl der hilflosen Kranken gesorgt sei. Sein Werk habe er zuletzt durch die Berufung der ehrwürdigen Schwestern gekrönt, die opferwilligen Herzens dem Rufe in den schweren Dienst der Krankenpflege gefolgt seien. Den Schluss der Ansprache bildete ein dreifaches begeistertes Hoch der Anwesenden auf die ehrwürdige Mutter und die Schwestern.

Am nächsten Vormittag erfolgte durch den hochw. Herrn Pfarrer Buus die Weihe der Kapelle des St. Josephsheims, welchen Namen das Krankenhaus fortan führt. Das sich daran anschließende feierliche Hochamt celebrierte der hochw. Herr Pfarrer Schneider von Schwanheim. Verherrlicht wurde dasselbe durch die schönen Gesänge des Kirchenchores, welcher unter der Leitung des Herrn Lehrers Schneeweis von Rothenbach eine vierstimmige Messe von Piel vortrug, so endete eine schöne Feier. Möge Gottes Segen auf diesem Hause ruhen und dem pietätvollen Schöpfer dereinst der gerechte Lohn werden.“

 

1898

St. Josephsheim in Möllingen - Ortsniederlassung der Schwestern "Von der göttlichen Vorsehung" Mainz-Oberursel.

Die Öffentlichkeit schätzte die Tätigkeit der Möllinger Schwestern; im Juli 1898 schrieb das St. Lubentius-Blatt, Sonntags-Blatt des Bistums Limburg (St. Lubentius-Blatt, Nr. 30, 1898, 9. Jg. S 238.):

 

„Das Wirken unserer Schwestern hierselbst erweist sich immer segensreicher.“

 

Ruine der Liebfrauenkirche in Westerburg (Reifenscheid)

Pfarrer Buus von Möllingen kauft 1898 von der Stadtgemeinde Westerburg die Ruine der einst so viel besuchten Wallfahrtskirche vom Reifenscheid für 1200 Mark und beginnt mit dem Wiederaufbau der "Liebfrauenkirche". Bereits am 22. Mai ist die Grundsteinlegung der neuen Kirche.

1899

Die auf Initiative von Pfarrer Buus aus Möllingen wieder errichtete Liebfrauenkirche in Westerburg wird am 22. Oktober 1899 durch Bischof Dr. Dominikus Willi feierlich konsekriert.

In der Schulchronik von Kölbingen schrieb dazu Leherer Eulberg:

 

Am 22. Oktober wurde die auf Anregung unseres Herrn Pfarrers Buus unter großen Opfern wieder aufgebaute Liebfrauenkirche bei Westerburg, welche im 30-jährigem Krieg zerstört wurden war, durch unseren hochwürdigsten Herrn Bischof Dr. Dominikus Willi feierlich konsekriert. Trotz der schlechten Witterung hatten sich von nah und fern wohl über 10000 Menschen eingefunden, um dieser erhabenen Feier beizuwohnen. Nach der Einweihung und einem sich hieran anschließenden Pontifikalamte erteilten seine bischöflichen Gnaden den Firmlingen der hiesigen Pfarrei in dieser altehrwürdigen Wallfahrtskirche das heilige Sakrament der Firmung."

 

Liebfraeuenkirche in Westerburg