1500 - 1599


1525

Schönberg war einst das größte und wohlhabendste Dorf im Oberkirchspiel und auch Mittelpunkt der umliegenden Gemeinden und Höfe. Neben der Kapelle oder späteren Kirche befanden sich ein großes Hofgut nebst einer Anzahl kleinerer Anwesen. Schönberg ist im Laufe der Jahrhunderte größtenteils genauso verloren gegangen, wie so manche andere Dörfer und Höfe.

 

Die Dörfer Berg und Fischbach werden noch 1525 erwähnt. Alten Urkunden zufolge lag der Weiler Fischbach zwischen Möllingen und Brandscheid. Die letzte Erwähnung folgte im Jahre 1525 im "Diezer Saalbuch", wo demzufolge Fischbach nur eine Feuerstelle hatte. Die Siedlung Berg war östlich von Kölbingen. Eine weitere Ansiedlung in der Nähe der Schönberger Brücke ist durch Feuer vernichtet worden.

 

Zu dieser Zeit sind allerdings die Dörfer "Bonningen", "Meyningen" und "Benningen" schon verschwunden. Lediglich die "Bonninger Brücke" und die "Benninger Wies" unterhalb von Brandscheid sowie die "Meyninger Grub" bei Kaden zeugen noch davon.

 

Unterhalb des Nickelsteins gab es auch noch das Hofgut Struth. Heutiger Flurname Strütherfeld.

 

Das Hauptgeschlecht und zugleich bedeutendste dieser Gegend war das "von Brambach". Der Ursitz der Brambachs war Weltersburg. Weltersburg war der Sitz von mindestens eines Dutzend Adeliger. Um 1250 hat es sogar Stadtrechte besessen.

 

Die Brambachs besaßen damals viele Höfe in und außerhalb des Kirchspiels. Geistliche, Heerführer, Kanzler und Amtsleute sind aus ihren Reihen hervorgegangen. Schon um 1525 werden sie in Schönberg genannt. Der Brambacher (Schönberger) Hof stand auf dem Grundstück der ehemaligen gräflichen Försterei beim Härtlinger Tor des heutigen Friedhofes. Um 1900 brannten hier das Backhaus und eine Scheune nieder.

 

Im Jahre 1525 besaß auch das Westerburger Grafengeschlecht noch einen Hof in Obermöllingen. Er stand wohl dort, wo sich heute die achteckige Kapelle befindet.

Verschwundene Höfe und Siedlungen in Kölbingen

1530

Conmann Schüssler zu Schönberg ist um 1530 als Schultheiß auf der Elb eingesetzt.

1543

Ein Johann des Woebers Eiden zu Kölbingen ist 1543 als Schultheiß von Salz eingesetzt.

1545

Die zu Kölbingen zählende dorfartige Siedlung mit dem Namen Berg/Berge /Bergh wird 1564 letztmals erwähnt.

 

Auf der Karte des Fürstentums Nassau von 1645 ist nördlich von Cochem (Guckheim) nicht Kölbingen eingezeichnet sondern die Ortschaft Bergh (sie war auf Kölbinger Gebiet gelegen).

Das Verschwinden der Dörfer und Höfe ist eine Erscheinung ihrer Zeit gewesen. Die Lebensbedingungen waren zu ungünstig. Brände und Seuchen rafften die paar Menschen in ihren armseligen Hütten schnell dahin. Im 17. und 18. Jahrhundert ging der "Wohlstand" unaufhaltsam zurück und erreichte seinen Tiefststand im 19. Jahrhundert. Schuld daran war der Adel selbst, der die Bevölkerung restlos aussaugte, um dann schließlich selbst teilweise zu Grunde zu gehen.

 

 1558

 

Nach dem Aussterben des alten Diezer Grafengeschlechtes 1388 hatte die Linie Nassau-Dillenburg ihren Besitz geerbt. 1530 trat Graf Wilhelm der Reiche von Nassau-Dillenburg zum Luthertum über und versuchte nun, diesen seinen neuen Glauben in den Diezischen Gemeinden einzuführen und begann dies mit dem Kirchspiel Salz.

In der Pfarrei Salz wird am 4. Mai 1558 Burkhard Bernstein von Nürnberg als neuer Pfarrer eingesetzt, der die luth. Glaubensauffassung vertritt.

Im gleichen Jahr leistet sich das Oberkirchspiel zum ersten mal für kurze Zeit einen eigenen Seelsorger, einen Prädikanten (evang. Geistlicher). Es ist Anton Moser aus Westerburg. Die Zeit der Reformation hat endgültig Einzug gehalten und Schönberg ist für kurze Zeit lutherisch. 1564 kommt das Oberkirchspiel mit Salz politisch nach Trier und blieb damit für immer katholisch.

1561

Für und Wider zur Reformation spiegelten sich im Kirchenvolk wider und es kam zu feindlichen Handlungen, die in einem gewalttätigen Akt endeten. Am 6. Juli 1561 hielt der Salzer Pfarrer den Kirchweihgottesdienst für das Oberkirchspiel in Schönberg. Nach dem Gottesdienst stellte der erboste Junker von Irmtraut, der in Härtlingen wohnte, den Pfarrer an der Friedhofsmauer. Er bedrohte den Pfarrer mit Waffengewalt und stach sogar mit dem Speer auf ihn ein. Nach kräftigen Prügeln ließ der Adelige unter Todesandrohungen schließlich vom Pfarrer ab. Auch in Salz verschärfte sich die Situation und es kam offen zu Anfeindungen der Geistlichkeit.

 

Inschrift des Ritterbildnisses  des Junkers von Irmtraut in der Kirche in Schönberg:

" ANNO 1582 DEN 6. DEZEMBER

IST IN GOTT VERSCHIEDEN DER

EDEL UND EHRNVEST

WILHELM VON

ERMTRAUDT ZU

HERTLINGEN: DER SELEN GOT GENG SEI."

1564

Durch den Diezer Vertrag vom 27. Juli 1564 (territoriales Tauschverfahren zwischen Nassau-Dillenburg und Kurfürstentum Trier) kommt das Oberkirchspiel mit Salz politisch zum Kurfürstentum Trier und blieb damit katholisch. Schönberg gehört nun zum Amtsbezirk Montabaur.

An der nördlichsten Gemarkungsgrenze im Geisenwald steht ein alter Grenzstein. Auf der Kölbingen zugewandten Seite erkennt man ein Wappenschild, der im ersten und dritten Feld das Kurtrierer Kreuz aufweist und im zweiten und vierten Feld einen senkrechten Balken, das Wappen derer von der Leyen (Johann VI. von Leyen war von 1556 bis 1567 Kurfürst und Erzbischof von Trier).

Auf der gegenüberliegenden Steinseite erkennt man deutlich die eingearbeiteten Buchstaben für Nassau-Dietz.

Obwohl damals die Besitzverhältnisse in der ehemaligen Grafschaft Diez weitgehend geklärt schienen, war die gemeinsame Herrschaft von Kurtrier und Nassau-Dillenburg eine Quelle ungezählter Streitigkeiten, die vor allem das ehemals eppsteinische Grafschaftsachtel betrafen. Dieser ständig schwelende Streit konnte erst mit dem Diezer Vertrag vom 27.5.1564 beendet werden. Nassau-Dillenburg verzichtete 1564, um künftigem Streit aus dem Weg zu gehen, auf das 1535 eingezogene ehemals eppsteinische Achtel, und das Kurfürstentum Trier behielt somit die vier Westerwälder Kirchspiele Salz, Meudt, Hundsangen und Nentershausen. So kam Kölbingen, Kölbingen gehörte damals mit Schönberg zum Kirchspiel Salz, endgültig unter kurtrierische Landeshoheit und blieb rein katholisch.

Mit dem Diezer Vertrag war es dem Trierer Erzbischof gelungen, einen nahezu geschlossenen Territorialblock von Koblenz über Montabaur und Limburg (bis 1624 an Hessen verpfändet) bis nach Camberg zu zementieren. Spätestens jetzt war das Erzstift Trier ein unübersehbarer Machtfaktor im nassauischen Raum.

Trier wies die neu hinzu gewonnenen vier Kirchspiele dem Amt Montabaur zu.

Aus dieser Zeit stammt der Grenzstein im Geisenwald.

Die Aufteilung von 1564 hatte bis zum Ende des Alten Reiches im Jahr 1802 Geltung.

 

Alter Grenzstein im Geisenwald an der nördlichen Gemarkungsgrenze von Kölbingen

1584

Wegen der großen Entfernung von der Mutterkirche in Salz wurde 1584 der Pfarrbezirk "Schönberg mit Hahn" gebildet. Bis zur endgültigen Selbständigkeit waren allerdings noch 70 Jahre Zank und Streit siegreich zu bestehen. Immerhin erhielt Schönberg einen eigenen Vikar, der in Möllingen wohnte.

 

Der Nachbarort Sainscheid verblieb bei Salz, ging aber in Schönberg zur Kirche. Zunächst vergruben sie ihre Toten auch in Salz, später dann in Schönberg. Erst 1813 wird Sainscheid im Staatskalender zu Schönberg gerechnet.

Mutterkirche in Salz

1585

1585 wird von Papst Gregor eine Kalenderreform durchgeführt. Der nach ihm benannt gregorianische Kalender ist heute weltweit gültig.

1589

Finanzämter, Kellereien oder Kellnereien genannt, lassen sich im Erzstift Trier seit dem 14. Jahrhundert nachweisen. Die Kellnerei des Amtes Montbaur umfasste 1589 auch Kölbingen.

Ortschaften, z. B. im alten Kirchspiel Salz:

1)

die Salzer Zech ( d.h. Verwaltungseinheit) mit den Ortschaften Salz, Rothhausen, Neuroth, Bilkheim

2)

die Kölbinger Zech mit den Ortschaften Kölbingen, Berg (seit 1525 ausgestorben), Schönberg, Möllingen, Hartlingen, Westert, Elben, Hof Witzelbach, Brandscheid, Pfeifensterz, Rothenbach und Himburg

3)

die Saynscheidter Zech mit den Ortschaften Saynscheidt, Wörsdorf und Mehren

4)

die Hahner Zech mit den Ortschaften Hahn, Haindorf, Obersayn, Niederhahn und Elbingen

5)

die Wahnscheider Zech mit Wahnscheid und Herschbach